Es ist wieder einer dieser Phasen. Einer dieser Zeiträume in dem wir erschöpft im Bett liegen bleiben könnten, aber die Öde des wach herumliegen nicht mehr ertragen, in der der ganze Körper leise vor sich hin schmerzt, in der alles mehr reizt, mehr triggert, mehr anspannt, mehr verwirrt, mehr ärgert.
Dazu kommen unbestimmte, unbestimmbare körperliche oder psychosomatische Symptome. Es fehlen mir die Nerven, diese schon wieder abzuklären, nur um dann eine weiterhin kaum bestimmte Antwort zu kriegen, welche eine Sache das es wohl nicht ist. Ich will nicht schon wieder ohne Handlungsempfehlung, ohne Ansatz oder Anhaltspunkt aus einer Arztpraxis laufen mit dem Schamgefühl die Zeit anderer Menschen verschwendet zu haben.
Alles geht mehr an die Substanz als üblich: Lärm, Gespräche anderer Menschen im öffentlichen Verkehr; Gespräche mit Mitmenschen, die sich nur im Kreis drehen; die Katze, die sich nicht entscheiden kann, ob sie rein, raus, essen oder einfach nur kuscheln will; essen; die schlechte Stimmung anderer Menschen
Fragen uns woher das wieder kommt. Ist es die Familientherapie? Belastete Angehörige? Baldiger neuer Arbeitsplatz? Physische Krankheit? Haben wir etwas triggerndes gelesen? gehört? gemacht?
Fragen uns was dagegen tun. Einfach ausruhen? Versuchen den Auslöser zu finden? Sich aufraffen, Dinge zu tun? Achtsamkeitszeug? Tagebuch schreiben? Abwarten bis es vorbei geht? Kunsttherapie? Mit jemandem darüber reden? Aber über was den?
Ich bin durcheinander. Setzte irgendwo an, breche ab, versuche es woanders erneut, bleibe verunsichert. Ich habe kein konkretes Problem, mit dem ich einen Umgang finden muss, kein spezifisches Verhalten, an dem ich arbeiten sollte, einzig die Sorgen um die körperlichen Symptome, aber ob das wirklich der ausschlaggebende Punkt ist diesmal?
Grob vermute ich doch, dass diese Phasen von hochgeschwemmten, aber nicht ganz an der Oberfläche angekommenem Vergangenheitsgefühlen liegen. Irgendwo im Limbo der Integration steckengeblieben, sind sie schon belastend, aber noch nicht benennbar. Ich versuche unseren Zustand, unsere Stimmung mit dem zu erklären, was ich vor mir sehen kann, aber die Ursache verbirgt sich hinter mir – unbegreifbar, unsichtbar, unantastbar.
Letzte Woche waren diese Vergangenheitsgefühle näher – oder sicher eines dieser Gefühle. Wir konnten es unmöglich beschreiben – nicht einmal eine Metapher finden. Normalerweise sind wir gut darin Gefühle zu benennen. Es kam und ging oder blieb? Ich weiss nicht wo es jetzt ist.
Seit letzter Woche wurde wieder dissoziiert und funktioniert, nichts integriert oder verstanden. Und jetzt hat diese Phase vielleicht auch gar nichts damit zu tun. Vielleicht hat sie alles damit zu tun. Ich weiss es nicht. Es gibt nichts daran, darum oder darüber zu machen. Also drehen wir Däumchen und uns im Kreis, bis es von alleine besser oder schlimmer wird.